Talking Salmon
Das interdisziplinäre Projekt Talking Salmon widmet sich der Frage, wie lachsartige Fische als kulturelle und ökologische Mittler zwischen Mensch und Natur inszeniert und verstanden werden können. Diese Tiere, die seit Jahrhunderten Teil indigener, regionaler und ökologischer Narrative sind, verbinden Lebensräume wie Ozeane, Flüsse und Wälder. In Zeiten ökologischer Krisen und zunehmender Entfremdung vom Natürlichen sollen sie zu Erzählfiguren werden, die neue Perspektiven auf unser Verhältnis zur Umwelt eröffnen.
Projektverlauf
Im Zentrum steht eine medienethnografisch orientierte Feldforschung an verschiedenen geografischen und kulturellen Orten – darunter Haida Gwaii (Kanada), die Modau (Deutschland), Graz (Österreich), Moen (Dänemark), der Fluss Teno im Sapmi-Gebiet und eine Lachszucht in Norwegen. Vor Ort werden lokale Narrative, Rituale, Kunstformen und Wissenspraktiken rund um lachsartige Fische dokumentiert und analysiert. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf indigenen Perspektiven, die nicht zwischen „Natur„ und „Kultur“ trennen, sondern beide als Teil eines zusammenhängenden Ganzen denken.
Die gesammelten Materialien (Interviews, Beobachtungen, audiovisuelle Aufnahmen) fließen in multimediale Produktionen ein: Filme, Essays, literarische Texte, Kunstprojekte und Installationen, die sowohl im wissenschaftlichen als auch im öffentlichen Raum rezipiert werden sollen. Die Reflexion über Formate und Erzähltechniken ist integraler Bestandteil des Projekts: Es wird untersucht, wie unterschiedliche Medien auf unsere Wahrnehmung ökologischer Beziehungen wirken und wie durch narrative Gestaltung neue Zugänge zur Mensch-Natur-Verbindung entstehen können.
Ziel des Projekts
Talking Salmon verfolgt das Ziel, durch genre- und medienübergreifende Geschichten über lachsartige Fische die Trennung zwischen Mensch und Natur aufzubrechen und neue ökologische Narrative zu etablieren. Die Erzählfiguren aus dem Wasser dienen dabei als Medium für transkulturelle und transdisziplinäre Verständigungsprozesse im Anthropozän. Langfristig möchte das Projekt neue Perspektiven auf das Verhältnis von Mensch, Tier und Umwelt sichtbar machen und so Impulse für ein anderes Verständnis von Zusammenleben und -wirken geben.
Forschungsfragen
Inwieweit kann es gelingen, anhand wandernder lachsartiger Fische, die weltweit seit Jahrtausenden eine natürliche Verbindung zwischen Meer, Fluss und Wald darstellen, genre- und medienübergreifende Geschichten des Gelingens zu erzählen, die die Mensch-Natur-Grenze überwinden und ein neues „großes Gespräch“ zwischen den Lebewesen in Gang setzen?
Projektinformationen
Laufzeit: 01.05.2024 – 31.05.2026
Projektleitung: Prof. Dr. Thorsten Schäfer
Gefördert durch: OKEANOS – Stiftung für das Meer