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Ständige Antizipation - Sebastian Pranz über autonomes Fahren

Am 26. Mai 2026 fand am Mediencampus Dieburg eine weitere Ausgabe des Science Tuesdays statt. Diesmal beleuchtete Prof. Dr. Sebastian Pranz die gesellschaftlichen Vorstellungen und Zukunftsvisionen rund um die Mobilität von morgen. Mit seinem Projekt „Technologische Naherwartungen. Was bewegt den Traum vom autonomen Fahren?“ untersucht er, warum die fahrzeuggesteuerte Fortbewegung seit Jahrzenten so attraktiv bleibt und welche Wünsche an die Automatisierung des Verkehrs geknüpft werden. Sebastian Pranz, Professor für Technologieentwicklung am Fachbereich Media, präsentierte dazu Erkenntnisse aus seiner empirischen Forschung im Bereich Medienwissenschaften.
Eingangs zeichnete Pranz nach, wie derzeit medial vermittelte Narrative, etwa rund um Tesla, das Bild automatisierter Mobilität prägen. Basierend auf dem theoretischen Konzept der Sociotechnical Imaginieries (STI) nach Sheila Jasanoff verdeutlichte er die Wechselwirkungen zwischen technologischen und gesellschaftlichen Erwartungshaltungen. Das autonome Fahrzeug wird darin meist als effizientere, fehlerfreiere und verlässlichere Alternative zum menschlichen Fahren inszeniert. Hiervon ausgehend dienten drei Fallstudien als Grundlage des Forschungsprojektes:
- Berichterstattung über historische Autonomietest wie Continentals „Geisterauto“,
- Diskursanalysen in Tesla-Fahrer-Communities
- Dokumentation der praktischen Erprobung einer autonomen Busflotte in Monheim am Rhein)
Als ein Ergebnis stellte sich heraus, dass die Versprechen der reibungslosen Mobilität bis heute oft unerfüllt bleiben. Zudem verwies er auf das Phänomen der „technologischen Naherwartungen“: Eine Wahrnehmung, bei der die grundlegende Transformation im Verkehr stets greifbar erscheint, sich jedoch immer wieder nach hinten verschiebt. Im Hinblick auf das Erleben automatisierter Fortbewegung betonte Pranz:
„Der Traum vom autonomen Fahren besteht nicht nur aus dem Wunsch nach reibungsloser Mobilität, sondern verwandelt das Auto in einen neu gedachten Erlebnisraum. (…) Technologische Naherwartungen schaffen dabei einen Zustand ständiger Antizipation.“
Prof. Dr. Sebastian Pranz lehrt seit 2021 als Professor für Technologieentwicklung in der Online-Kommunikation am Fachbereich Media der Hochschule Darmstadt. Seine Forschungsschwerpunkte liegen an den Schnittstellen von Science & Technology Studies, Plattformisierung und den gesellschaftlichen Imaginarien des autonomen Fahrens.
Der Science Tuesday ist eine regelmäßige Vortragsreihe am Mediencampus Dieburg, die vom Institut Kommunikation und Medien (ikum) in Kooperation mit dem Forschungszentrum Digitale Kommunikation und Medien-Innovation (fz dkmi) organisiert wird. Seit vielen Semestern bietet das Format eine Reichweite für Professor:innen und Forschende der h_da, die dort ihre Forschungsergebnisse für Studierende sowie Fachkolleg:innen präsentieren können. Die Reihe richtet sich explizit an alle Interessierten innerhalb und außerhalb der Hochschule Darmstadt.
Klara-Maeve O‘Reilly
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