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„Wir brauchen Freundschaften“ – Prof. Döveling im Interview

Im Interview mit der DPA betont Prof. Katrin Döveling (h_da), dass Freundschaften eine zentrale Rolle für das seelische Gleichgewicht spielen. Menschen seien auf soziale Bindungen angewiesen – unabhängig von Alter oder Herkunft.

Doch was macht Freundschaften so entscheidend? Laut Döveling zeichnen sich enge Bindungen vor allem durch Verlässlichkeit, Vertrauen und Ehrlichkeit aus. Wer eine gute Freundin oder einen guten Freund an seiner Seite weiß, finde Halt, bekomme ehrliches Feedback und könne auch in schwierigen Situationen wachsen. Gerade in einer Zeit, die stark von Leistungsdruck, Zeitnot, Mobbing und Konkurrenzdenken geprägt ist, sei das von unschätzbarem Wert. Viele Menschen würden erst am Abend, nach einem vollen Arbeitstag bemerken, wie allein sie eigentlich seien.

Dass dieses Thema nicht nur im Privaten relevant ist, zeigt ein Blick nach Schweden. Dort läuft derzeit ein Pilotprojekt gegen Einsamkeit: Mitarbeitende einer großen Apothekenkette dürfen jede Woche zehn Minuten ihrer Arbeitszeit für die Pflege persönlicher Kontakte nutzen. Ein Ansatz, der verdeutlicht, wie sehr Freundschaften inzwischen auch als gesellschaftliche Ressource gesehen werden.

Digitale Kontakte hingegen, könnten echte Freundschaften nicht gänzlich ersetzen. Zwar seien Netzwerke im Internet enorm hilfreich, erklärt die Emotionsforscherin, doch die dortigen Verbindungen hätten meist nicht die Tiefe echter Freundschaften.  

„Ein guter Freund oder eine gute Freundin, der oder die einen auch in den Arm nimmt – vor allem in Momenten, in denen es einem nicht gut geht – ist für das innere Gleichgewicht wichtiger als hundert Kontakte im Netz“, stellt sie im Interview klar. Hier kommt es jedoch auf die Nutzung an, betont Döveling. WhatsApp zum Beispiel ermöglicht es, mit Freund:innen in Kontakt zu bleiben. Wenn man einsam ist, kann man über gemeinsame Interessen in sozialen Netzwerken Gleichgesinnte treffen; daraus könnten sich auch Freundschaften entwickeln, so Döveling. Gemeinsame Interessen und Aktivitäten schaffen Nähe, und gemeinsame Erlebnisse stärken die Verbindung zu anderen Menschen.

Ein entscheidender Unterschied liege in der körperlichen Nähe. Persönliche Begegnungen, etwa eine Umarmung, lösen Bindungshormone wie Oxytocin aus, die das Wohlbefinden stärken – etwas, das rein virtuelle Kommunikation nicht leisten kann. Schon Babys seien auf diesen physischen Kontakt angewiesen.

Dövelings Fazit: Freundschaften sind mehr als nur soziale Kontakte. Sie geben Orientierung, emotionale Sicherheit und tragen entscheidend zur Lebensqualität bei.

Link zum Audio-Interview mit dem WDR
Link zur DPA-Meldung in der Zeit
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Zentrumssprecher

Thomas Pleil

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